Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V.
Landesgruppe Brandenburg

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Fachtagung 8. und 9. September 2017 in Wittenberge

Am 8. und 9. September 2017 fand in der alten Ölmühle in Wittenberge die gemeinsame Fachtagung der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure und der Vermessungs- und Katasterverwaltung des Landes Brandenburg statt, zu deren 24. Auflage wiederum mehr als 175 Teilnehmer angereist waren.

In seiner Eröffnungsansprache stimmte der BDVI-Landesgruppen-Vorsitzende Michael Peter auf die traditionsreiche zweitägige Fachveranstaltung ein und stellte dabei zentrale berufspolitische Anliegen voran. Angesichts der grundlegenden Bedeutung, die der amtlichen Vermessung im Rahmen einer verlässlichen und rechtssicheren Eigentumssicherung zukommt, riet er zu mehr Selbstbewusstsein in der Kollegenschaft. Vor dem Hintergrund des sich zunehmend abzeichnenden Fachkräftemangels unterstrich Herr Peter zudem den maßgeblichen Anteil, den auskömmliche und transparente Kostenregelungen dabei leisten, um jungen Nachwuchskräften nicht nur interessante Aufgabenfelder und eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Berufsfelds, sondern nicht zuletzt auch eine attraktive Entlohnung bieten zu können.

Im Ausblick auf die Vorträge und zu behandelnden Themen der diesjährigen Tagung wurden dann gleich mehrere Umstände deutlich, die für die Stadt Wittenberge an der Elbe als Tagungsort gesprochen haben. Zum einen hat die gemeinsam von BDVI, LGB und MIK organisierte Fachtagung  in ihrer fast 25-jährigen Geschichte bislang noch nie in der Prignitz Station gemacht. Andererseits stellt gerade die Stadt Wittenberge ein herausragendes Beispiel für gelungenen Stadtumbau der letzten 25 Jahre da. Somit boten sich bereits mit der Wahl des Veranstaltungsortes Anknüpfungspunkte für das diesjährige Tagungsprogramm. Dies reichte vom Festvortrag zu 25 Jahren Stadtentwicklung im Land Brandenburg bis hin zur städtebaulichen Exkursion zum Abschluss der Veranstaltung. Bedingt durch die Lage an der Elbe sowie der Neubaustrecke der Bundesautobahn A14 lagen Vorträge zum Wasserrecht an Bundeswasserstraßen sowie das Thema Unternehmensflurbereinigung quasi auf der Hand. Diese ausgewiesenen Vorzüge des Tagungsstandorts wogen die geringfügigen Einschränkungen die das alte, aber charaktervolle Gemäuer der Ölmühle etwa hinsichtlich der Raumhöhe mit sich brachte, mehr als auf.

Und so ließ es sich auch der Erste Beigeordnete des Landkreises Prignitz Christian Müller in seinem Grußwort nicht nehmen, den Organisatoren zur Wahl des Veranstaltungsorts zu gratulieren und für die Vorbereitung der Fachtagung am Standort Wittenberge seinen ausdrücklichen Dank auszusprechen.

Ein Heimspiel war es nicht zuletzt auch für die aus der Prignitz stammende Innenstaatssekretärin Katrin Lange. In ihren Begrüßungsworten unterstrich sie die bewährte Kooperation zwischen ihrem Haus, der Vermessungsverwaltung und dem freien Beruf und begrüßte, dass gleich mehrere Tagesordnungspunkte aktuelle Fragestellungen der Zusammenarbeit aufgreifen. Weiterhin betonte sie die Wichtigkeit der Ausbildung und Nachwuchsgewinnung im Berufsfeld der Geodäsie und zeigte sich dabei überzeugt, dass das amtliche Vermessungswesen auch in Zukunft eine Schlüsselposition einnehmen wird: „Den meisten Menschen wird nicht bewusst sein, was alleine an täglichen Veränderungen für das Liegenschaftskataster, die Landesvermessung und die Grundstückswertermittlung zu erfassen ist. Hier ist die kontinuierliche Arbeit der Vermesser von hoher Bedeutung - sei es bei der Nutzung von Navigationssystemen, von Google Maps oder im Zusammenhang mit dem eigenen Grundstück.“

Für den Festvortrag konnte der Architekt und Stadtplaner Prof. Heinz Nagler von der BTU Cottbus-Senftenberg gewonnen werden. Und so bildete eine Zeitreise durch 25 Jahre Stadtentwicklung im Land Brandenburg den Einstieg in den fachlichen Teil des Tagungsprogramms. Wer wüsste es nicht aus eigener Erfahrung: Das einzige Konstante in der Stadt ist die Veränderung; jede Generation baut auf den Strukturen der vergangenen auf. In welch ungeahntem Umfang dies aber in den letzten 25 Jahren in Brandenburg erfolgte, machte der Vortrag von Prof. Nagler mehr als deutlich.

Der sich anschließende, traditionelle Blick über den Tellerrand auf die Vielfalt des amtlichen Vermessungswesens in Deutschland nahm mit Hamburg in diesem Jahr einen  Stadtstaat in den Blick. Verbindende Element zum Tagungsort, das auch für die Einladung von Karl-Heinz Nerkamp vom Hamburger Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung sowie des BDVI-Landesgruppenvorsitzenden Gerd Grabau bestimmend war, bildete die Lage an der Elbe. In beiden Vorträgen traten zahlreiche Besonderheiten hervor, die verdeutlichten, wie sehr sich das Hamburgische Vermessungswesen von den Zuständen in hiesigen Breiten unterscheidet. So stehen in Hamburg bei einem 90%-igen Anteil an Koordinatenkataster ganz überwiegend Sonderungen auf der Tagesordnung. Vielfach tritt in den ÖbVI-Büros die hoheitliche Tätigkeit hinter ingenieurgeodätische Aufgaben zurück. Besonders erkenntnisreich war, wie deutlich sich Hamburg dem Grundsatz „digital first“ verschrieben hat, was von Open Data über die Selbstentnahme der Katasterunterlagen einschließlich Reservierung bis hin zur Führung des Baulastenverzeichnisses in der Vermessungsverwaltung reicht. Ein Umstand der nicht zuletzt auch in Brandenburg nachahmenswert wäre.

Im folgenden Themenblock gab zunächst Andreas Langer (LGB) einen Einblick in den  Sachstand zum Bereitstellungsportal, mit dem in Zukunft nicht nur der Abruf von Vermessungsunterlagen und ALKIS-Daten abgewickelt werden soll, sondern mit dem gleichzeitig auch die    Reservierung von Fachkennzeichen sowie die Einreichung der Vermessungsunterlagen möglich sein wird. Der vorgestellte einheitliche Workflow lässt auf Vorteile für alle Beteiligten hoffen. Dass dies nicht umsonst zu haben ist, machte anschließend Andre Schönitz (MIK) in seinem Beitrag zum Kostenmodell und den Perspektiven des Bereitstellungsportals deutlich. Während das Land die Beschaffungskosten des Systems trägt, müssen für den Betrieb des Bereitstellungsportals Kostenmodelle, d.h. die Umlage auf die Nutzer und Produkte des Bereitstellungsportals diskutiert werden.

Von der Zukunftsmusik in Sachen Bereitstellung der Katasterunterlagen lenkte Christine Lindow, Leiterin der Katasterbehörde des gastgebenden Landkreises Prignitz dann die Aufmerksamkeit auf die ganz gegenwärtigen Fragestellungen hinsichtlich der Qualität der amtlichen Liegenschaftskarte und stellte das Konzept ihres Landkreises zur Qualitätsverbesserung vor. Anhand zahlreicher Beispiele gestattete sie einen substanziellen Einblick in die Herangehensweise und Erfahrungen in der Katasterbehörde Prignitz, etwa hinsichtlich der Auswahl der vorrangig zu bearbeitenden Gemarkungen mit verbesserungsbedürftiger Qualität anhand der Häufigkeit der Fortführungen.

Christian Eichler vom Dezernat Vermessung, Liegenschaften und Geodaten in der Generaldirektion der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes widmete sich dann den Eigentumsverhältnissen in und an Bundeswasserstraßen. Besonders hob er dabei die für die heutige Praxis noch bedeutsame Entstehung der Bundeswasserstraßen infolge des Staatsvertrags über den Übergang der Wasserstraßen auf das Reich vom 1. April 1921 hervor. Auf Interesse stießen darüber hinaus vor allem die dargestellten Fallkonstellationen der Begrenzungen durch Katastergrenze, Grenze gemäß Staatsvertrag von 1921, Besitzstandsgrenze und Mittelwasserline.

Weiter ging es dann im verwandten Fachrecht der Flurbereinigung. Gunter Genau und Bertram Allert (beide LELF, Dienstsitz Neuruppin) präsentierten temperamentvoll und bildhaft die Unternehmensflurbereinigungen im Zusammenhang mit dem Ausbau der A14. In insgesamt vier Verfahren wird im brandenburgischen Abschnitt dieses Verkehrsprojekts die Landbereitstellung für die Neubautrasse und für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen realisiert, wobei die Beseitigung der Zerschneidung von Grundstücken und die damit verbundene Minderung von Bewirtschaftungsschwierigkeiten besonders im Fokus stehen.

Am zweiten Veranstaltungstag standen wie gewohnt zunächst ÖbVI-Themen im Fokus. Im traditionellen Bericht der Aufsicht präsentierte Heinz-Werner Kahlenberg (LGB) umfassende Statistiken zum Berufsstand und dessen Aufgabenwahrnehmung. Erfreulich war die Feststellung, dass der „Sinkflug“ bei den Zahlen der Auszubildenden Vermessungstechniker/innen mittlerweile nachhaltig gestoppt zu sein scheint und sich der leichte Aufwärtstrend auch infolge der vielfältigen Initiativen zur Nachwuchsgewinnung zunehmend verfestigt. Darüber hinaus widmete sich der Referent den unterschiedlichen Varianten der beruflichen Zusammenarbeit nach dem neuen Brandenburgischen ÖbVI-Gesetz, einschließlich der Möglichkeiten zu dauerhaften Vertretungen.

Den im Vortragsprogramm gesetzten Tagesordnungspunkt „Praxisbericht eines ÖbVI“ nutzte in diesem Jahr der frischgebackene BDVI-Vizepräsident und ÖbVI in Falkensee Thomas Jacubeit für die Vorstellung der vielfältigen internationalen berufspolitischen Aktivitäten, insbesondere in den europaweite Vereinigungen CLGE und IG PARLS. Wie er herausstellte ist die CLGE die führende Repräsentantin des Geometerberufs in Europa, d.h. ein Zusammenschluss von Vermessungsverbänden, die sich für eine Stärkung des professionellen Berufsbildes der Vermessung im europäischen Raum einsetzt und den Beruf und seine Entwicklung im in der EU und im Europarat fördert. IG PARLS ist hingegen die (kleinere) Interessengruppe der öffentlich bestellten und der freiberuflich tätigen Vermessungsingenieure in Europa.

Passend zum Themenblock bot sich dann die Gelegenheit, einen um den Berufsstand des ÖbVI besonders verdienten Kollegen auszuzeichnen. Für sein besonderes berufspolitisches Engagement, insbesondere für die Nachwuchsgewinnung, wurde Uwe Krause, ÖbVI in Falkensee, mit der silbernen Ehrennadel des BDVI geehrt.

Gemeinsame Aspekte von Katasterverwaltung und ÖbVI beleuchtete Arne Kleinberg (Fachbereich Kataster und Vermessung Potsdam) in seinem Vortrag zum Liegenschaftsvermessungsprozess in der Katasterbehörde Potsdam. Er zeigte dabei nicht nur die im Arbeitsablauf noch schlummernden Potenziale auf, sondern lieferte nebenher auch noch zahlreiche Anregungen, bestehende Verfahren und Abläufe zu überdenken. Beispielsweise hinterfragte er die zweifache ALKIS-Datenmodellierung bei der Vermessungsstelle sowie abschließend in der Katasterbehörde und stellte auch in den Raum, ob denn das Scannen der Vermessungsrisse noch zeitgemäß sei und nicht vielmehr ein medienbruchfreier Datenfluss auch für Dokumente eingerichtet werden müsste.

Zum Abschluss des zweitägigen Vortragsprogramms gab schließlich Gunthard Reinkensmeier (LGB) einen umfassenden Überblick über das vielfach zu wenig beachtete Thema „Gefährdungsbeurteilung und Sicherung von Arbeitsstellen für Vermessungsarbeiten“. Deutlich wurde, dass die Gefährdungsbeurteilung nicht nur das zentrale Instrument im Arbeitsschutz ist,  sondern auch in allen Unternehmen verbindlich aufzustellen ist. Und so appellierte Herr Reinkensmeier dann auch an alle Teilnehmer, die Verantwortung für die Sicherheit der Mitarbeiter ernst zu nehmen.

In einem kurzen Resümee zum Ende der Veranstaltung fasste Lothar Sattler (MIK) die Facetten der Einzelvorträge zusammen und dankte für das Engagement aller Beteiligten. Abermals hat sich die gemeinsame Fachtagung der ÖbVI und der Kataster- und Vermessungsverwaltung als Plattform für den fachlichen Informationsaustausch bewährt. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Abendveranstaltung, die bei musikalischer Umrahmung eine angenehme Atmosphäre für rege Gespräche und Diskussionen bot. Im Anschluss an die Tagung bestand die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Exkursion zum Stadtumbau in Wittenberge. Rund 20 Teilnehmer nahmen die Gelegenheit wahr, sich vor Ort über den erfolgreichen Transformationsprozess zu informieren.

Zahlreiche positive Rückmeldungen und Anregungen nach dem 24. Brandenburger Geodätentag sprechen dafür, auch im kommenden Jubiläumsjahr an den Erfolg der Veranstaltung anzuknüpfen. Die Planungen für 2018 sind bereits im Gange und ein Tagungshotel in Schönefeld ist reserviert.